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1. Schleswiger Stadtlauf

Sonnabend, den 18. Mai 1985

    Pressemitteilung 24.03.1985
    Pressemitteilung 15.04.1985
    Schleswiger Nachrichten 21.05.1985
    Ergebnisse

 

Pressemitteilung 24.03.1985

 

In unserer schnellebigen Zeit gerät auch manches schnell in Vergessenheit. So auch die großen sportlichen Leistungen des ehemaligen Schleswiger Langstreckenläufers Otto Nitsche. Am 16. Dezember 1903 wurde er in Schleswig an der Schlei geboren, und hier begannen auch seine ersten leichtathletischen Gehversuche. Seine sportliche Entwicklung verdankte er in erster Linie seinem Vater und dem Flensburger Sportlehrer Wilhelm Bresler.

 

Bei den Vorbereitungen zu unserem Schleswiger Stadtlauf fiel mir eine Urkunde aus dem Jahre 1922 in die Hände. Sie war anläßlich eines Laufes "Quer Durch Schleswig", der am 23. April 1923 stattfand, ausgestellt worden. Dieser Lauf wurde von dem damaligen Schleswiger Otto Nitsche überlegen gewonnen. Der Zieleinlauf wurde in der Presse folgendermaßen geschildert:

"Schneller wie erwartet, kündigte bereits nach reichlich 30 Minuten das die Führung innehabende Auto die Ankunft des ersten Läufers an. Unter lebhaftem Beifall der zahlreich erschienenen Einwohner passierte Otto Nitsche ohne jede sichtliche Ermattung in vollkommener Frische, ohne irgendwo auf der Strecke bedrängt worden zu sein, in der außerordentlich guten Zeit von 34:27 Minuten das Ziel."

 

Otto Nitsche, der damalige Lokalmatador des Nordbereichs, hatte einmal mehr die Konkurrenz hinter sich gelassen.

 

Aufgrund dieses Berichtes kam mir nun der Gedanke, wenn es den Otto Nitsche noch gibt, ihn einmal an die Stätte seiner großen Erfolge zu holen. Vor einigen Wochen gelang es mir, den 1926 nach Hamburg verzogenen Nitsche dort ausfindig zu machen. Der rüstige 81jährige Otto Nitsche fiel aus allen Wolken und berichtete bei meinem Besuch voller Stolz und strahlend von seinen großen Erfolgen in der Schleswiger und Hamburger Zeit:

  • mehrfacher Kreis- und Gaumeister auf allen Langstrecken
  • mehrfacher Deutscher Meister auf der 10 km Strecke
  • 3. Platz beim Marathonlauf bei den Deutschen Kampfspielen des Jahres 1922 in Berlin
  • mehrfacher Deutscher Polizeimeister im Waldlauf
  • mehrfacher Deutscher Mannschaftsmeister mit dem SVPolizei Hamburg auf verschiedenen Langstrecken.

 

"Mein schwerster Tag", so Otto Nitsche, "war die Meisterschaft des Nordgaus am 26. Juni 1923 in Schleswig. "Ich startete damals für den VfB Nordmark Flensburg und erfuhr erst bei meiner Ankunft in Schleswig, daß mein Vater mich für drei Laufdisziplinen gemeldet hatte. Das war ein harter Tag. Um 11 Uhr wurde der 10000 m Lauf gestartet, um 14 Uhr die 5000 m, und um 16 Uhr mußte ich die 1500 m laufen. Ich gewann alle drei Läufe."

 

"Mein schönster Lauf war der Marathonlauf bei den Deutschen Kampfspielen im Mai 1922 in Berlin. Die Welt stand Kopf, der kleine Schleswiger Furzknochen Otto Nitsche, ich war ja nur 161 cm groß, lag in einem Feld von 148 Läufern bis 10 km vor dem Ziel an der Spitze. Erst dann wurde ich von zwei ausgekochten Berlinern eingeholt. Die hatten ja phantastische Schrittmacher, ein Tandem. Der zweite Mann auf dem Rad spielte unentwegt Handharmonika. Sie glauben gar nicht, wie prima man danach laufen kann. Diese beiden gingen mit etwa 400 m Vorsprung unter dem Beifall von 70 000 Zuschauern vor dem kleinen Nitsche ins Ziel. Trotz der etwa 30 Grad Hitze lag meine Zeit unter 3 Stunden!"

 

Angst und Respekt vor den großen Läufern hatte Otto Nitsche nicht. Seinen letzten Lauf absolvierte der ehemalige Polizeibeamte im Jahre 1933. Im Waldlauf wurde er abermals Deutscher Polizeimeister.

 

Wir erleben Otto Nitsche nun am 18. Mai 1985 beim 1. Schleswiger Stadtlauf (wir müssen nun sagen: der Neuzeit).

 

Beim Abschied sagte Otto Nitsche: "Ich freue mich, daß die alte Tradition in Schleswig wieder aufgegriffen wurde und es ist für mich eine große Ehre, am 18. Mai den Startschuß geben zu dürfen!"

 

Walter Clasen

 

Pressemitteilung 15.04.1985

Am 18. Mai 1985 veranstaltet Spiridon Schleswig einen landesoffenen Stadtlauf, der über eine Strecke von 12 km geht und durch die Innenstadt und um Schleswig-Nord führt.

 

Es handelt sich nicht um einen Volkslauf. Nach den Bestimmungen des Deutschen Leichtathletikverbandes sind nur die Läufer dei Leichtathletikvereine startberechtigt, die beim DLV angeschlossen und gemeldet sind.

 

Der Start erfolgt um 15:00 Uhr auf dem Rathausmarkt, für die Klassen Schüler/innen B und C zeitgleich in der Schleistraße. Den Startschuß gibt der ehemalige Schleswiger und heute 81jährige Otto Nitsche, Sieger des Laufes "Quer durch Schleswig" im Jahre 1922, den wir in Hamburg ausfindig machen konnten.

 

Der Lauf ist offen für alle Klassen ab Schüler/innen C (Jg. 1976).

 

Die Siegerehrung erfolgt etwa gegen 18:00 Uhr nach folgendem Modus:

  • Gesamtwertung Frauen und Männer
  • Wertung in allen Altersklassen
  • Ehrenpreise für die ältesten Teilnehmer
  • Verlosung von Sachpreisen über die Startnummern
  • für jeden Teilnehmer eine Urkunde.

 

Wir wünschen allen Teilnehmern, Betreuern sowie Zuschauern eine gute Anreise und ein paar schöne Stunden in Schleswig

 

Walter Clasen

 

Schleswiger Nachrichten 21.05.1985

1. Schleswiger Stadtlauf fand großen Anklang

 

Dirk Albrecht und Gudrun Salomon siegten / Starter Nitsche will wiederkommen

 

Am Sonnabend, pünktlich um 15 Uhr, hob der 81jährige Otto Nitsche, Sieger des Laufes "Quer durch Schleswig" im Jahre 1922, die Startpistole und schickte 251 Läufer aus fünfzig Vereinen auf die zwölf Kilometer lange Strecke des 1. Schleswiger Stadtlaufs "der Neuzeit". Gleichzeitig starteten die Schüler/innen B und C - denen auf Anordnung des SHLV nur eine Distanz von zehn Kilometern zugemutet werden darf - von der Schleistraße. Es war schon ein illustres Feld, das sich da auf die "Reise" begab, denn von ausgesprochenen Spitzenathleten über Kräfte der Mittelklasse bis hin zu reinen Hobbyläufern war alles vertreten. Auch von der Altersstruktur reichte die Palette von einem Senior des Jahrgangs 1913 bis hin zum achtjährigen Matthias Lehmann von der LG TEFT.

 

Wie erwartet setzte sich bei den Männern gleich die Favoriten Johannes Feldhusen /Läufer-Team Kiel), Dirk Albrecht (LG Kiel) und Holger Krauß (SV Suchsdorf) - also alles Kieler - an die Spitze. Nach 17:05 Minuten erreichte Feldhusen als erster die 5000-m-Marke. Er war jedoch, wie er später zugab, die nicht ganz einfache Strecke zu schnell angegangen und mußte schließlich Tribut zahlen. Albrecht und Krauß holten ständig auf und zogen an Feldhusen vorbei.

 

Der erste Läufer allerdings, der auf den Königswiesen unter dem Beifall des Publikums durch das Ziel lief, war der elfjährige Martin Jacobsen vom MTV Eckernförde. Der B-Schüler benötigte für die zehn km eine beachtliche Zeit von 37:29,3. Unmittelbar danach überquerte Dirk Albrecht (37:48,6) gefolgt von Holger Krauß (37:56,0) die Ziellinie. Dritter wurde Johannes Feldhusen (38:34,3), der lange Zeit die Führungsarbeit geleistet hatte.

 

Schnellstes Mädchen war die zwölfjährige Alexandra Lehmann (LG TEFT) mit 43:10,9, die ihren Bruder Matthias (45:15,5) im "Schlepptau" führte.

 

Erwartungsgemäß siegte bei den Frauen die Favoritin und Gewinnerin des Bremer Stadtmarathons, Gudrum Salomon (LG Kiel) in einer Zeit von 45:02,8. Zweite wurde Elfriede Otto (TSV Klausdorf) mit deutlichem Abstand und einer Zeit von 49:43,2. Einen hervorragenden dritten Platz sicherte sich die für den SV Adelby startende Ingrid Weber (52:10,5), die kürzlich den Flensburger Stadtlauf gewonnen hatte.

 

"Schleswig ist schön", lautete das einhellige Urteil der Aktiven über die Strecke, die durch die Innenstadt, den Holm sowie das Hafengebiet führte. Schon jetzt haben die meisten Läufer ihre Zusage für das kommende Jahr abgegeben, denn bei Spiridon plant man diese Veranstaltung zur festen Einrichtung werden zu lassen. Begeistert zeigte sich auch Otto Nitsche, der noch bis in die Nacht beim Spiridon-Vorsitzenden Walter Clasen zu Gast war. Auch er möchte im nächsten Jahr wieder den Startschuß geben.

 

Der Dank des Veranstalters galt in erster Linie der Polizei, die die Verkehrsprobleme mühelos löste.

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